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Schillhabel: „So sind wir an die Weltspitze gekommen.“

Stefan Schillhabel ist der Kopf hinter No Limit Gaming. Der Pokerprofi und seine eigens gegründete Organisation “No Limit Gaming GmbH“ überraschte die deutschsprachige eSport Szene, als diese ein österreichisches CS:GO-Team verpflichteten. Der in Düsseldorf geborene konnte im Laufe seiner Karriere ein Preisgeld von knapp 10 Millionen Euro erspielen. Die Organisation, in der sich Pokerspieler versammeln, die gemeinsam über 100 Millionen US-Dollar gecasht haben, erklärt uns in Form des in Wien lebenden Deutschen, warum und wieso sie auf das ehemalige Private eSports Team gekommen sind und was Christian Lenz und Nathan „NBK“ Schmitt damit zu tun haben.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, als Pokerkollektiv in den eSport zu expandieren?
Das hängt stark mit mir persönlich zusammen. Nachdem ich die letzten 3 Jahre sehr viel gereist und auf der ganzen Welt Poker gespielt habe, möchte ich nun kürzertreten und meine Zeit für etwas anderes nutzen. Es war schon immer mein Ziel, in den eSport zurückzukehren. Der Großteil des Pokerteams spielt nach wie vor sehr aktiv Poker. Als ich die Idee ein Team zu gründen vorgeschlagen habe, waren aber alle sehr begeistert und haben direkt zugesagt sich an dem Projekt zu beteiligen und mit gelegentlichen Streams auf unserem Channel den Start des ganzen zu ermöglichen.

In welcher Verbindung stehst du selbst mit dem elektronischen Sport?
Ich habe früher sehr aktiv Counter-Strike 1.6 gespielt, auch wenn nie auf einem professionellen Niveau. Anschließend habe ich semi-professionell Pro-Evolution Soccer gespielt, wo ich u.a. für DkH und Team-Speedlink aktiv war. Dort habe ich den eSport erstmals wirklich kennengelernt, auch wenn sich die finanzielle Unterstützung auf Reisekostenerstattung und bereitgestellt Hardware beschränkte. Ich war vielleicht Top10 in Deutschland, habe deutschlandweit an Turnieren teilgenommen und bspw. die Gamestar-Liga gewonnen. Ich war auch Teil des Team Germany in der Clanbase und habe dort eine Zeitlang als „Team-Captain“ auch erste Erfahrungen im organisatorischen Bereich sammeln können.

Wie entstand dann genau die Idee von einer eigenen Organisation?
Für mich war immer klar, dass ich eines Tages in den eSport zurückkehren werde. Der Plan hat sich während der WSOP in Vegas (Poker-Weltmeisterschaft über 6 Wochen) Mitte Juni gefestigt. Ich sprach mit einigen Freunden und Pokerkollegen, u.a. auch mit dem Team EnVyUs Investor Fedor Holz und stellte ihnen meine Idee einer eigenen eSports Organisation vor. Mit dem Feedback der meiner Berater und nach viel Research wurde ein Grundkonzept ausgearbeitet, das dann auch sehr schnell umgesetzt wurde. Wir haben ein Team aus 15 Pokerspielern gegründet und waren auch direkt zum Ende der WSOP mit eigenen Hoodies, 3 Spielern und einem ersten Sponsor im $1.000.000 Buyin Turnier vertreten. Nebenbei wurde die GmbH gegründet und festgelegt, dass alle Pokerteam Mitglieder an der GmbH beteiligt werden. Anschließend wurde der Twitch-Channel ausgearbeitet und im September begonnen sehr aktiv zu streamen, was mit durchschnittlich über 600 Zuschauern und Streams mit bis zu 6500 Viewern auch sehr gut gelungen ist.

Warum habt ihr euch entschieden, zuerst mit Poker und nicht gleich mit dem eSport anzufangen?
Der Gedanke mit dem Pokerteam zu starten war, dass man unabhängig Geld generiert, welches wir für einen behutsamen und langfristigen Aufbau des eSport-Bereichs nutzen können. Wir wollten uns die Freiheit sichern, ein paar Sachen ausprobieren zu können, ohne dass wir schnellstmöglich auf gute Ergebnisse kommen müssen, um den Vorgaben erster Sponsoren nachzukommen, die vielleicht etwas kurzfristiger denken als nötig. Es kann gut sein, dass sich ein neues Lineup erstmal einspielen muss und erst nach ein paar Monaten richtig funktioniert. Außerdem wenden wir die ein oder andere Methode an, die anfangs etwas Zeit kostet und sich erst im Laufe der Zeit positiv auf die Leistungen auswirken wird.
Diese Unabhängigkeit haben wir in den ersten Monaten gesichert. Wir haben 3 Sponsoren für das Poker-Team gefunden, mit denen wir mittel- bis langfristige Verträge geschlossen haben und im eSports-Sektor so keinem direkten Erfolgsdruck unterliegen.

Was war ausschlaggebend, dass ihr als Erstes ein Counter-Strike Team verpflichtet habt?
CS war für mich, sowohl als Spieler, als auch als Zuschauer, immer das interessanteste Game. Der Strategie-Aspekt begeistert mich dabei am meisten. Es ist dafür aber sehr leicht verständlich und auch für unerfahrene Spieler sehr schnell nachvollziehbar. Außerdem ist es sehr kurzweilig, da an jeder Stelle der Map etwas passiert und die Runden maximal 2,5 Minuten dauern. Die Spieler- und Zuschauerzahlen sprechen ebenfalls Bände. Ein großer Teil der Viewer und Fans spielt gar nicht mehr selbst aktiv, schaut sich aber dennoch die Matches an, obwohl das Spiel mittlerweile schon etwas in die Jahre gekommen ist und grafisch kaum mit aktuellen Titeln mithalten kann. Daher denke ich, dass CS:GO sich auch langfristig behauten wird und für mich war es eine logische Entscheidung mit dem Spiel zu starten.

Warum habt ihr euch oder besser gesagt du, dazu entschieden einem österreichischen Team das Vertrauen zu schenken?
Es war nicht mein Plan zwangsläufig mit einem österreichischen Team zu starten. Ich habe anfangs sehr viel Research betrieben. Dabei halfen Gespräche mit Insidern der Szene, wie beispielsweise Christian Lenz von BIG und NBK von Vitality. Auch der 99Damage Podcast mit Lenz und Knochen über die aktuelle Situation der deutschen CS:GO-Szene hat seinen Teil dazu beigetragen, dass ich entschieden habe auf ein junges, talentiertes und sehr motiviertes Team zu setzen, das vielleicht noch nicht ganz oben mitspielt, aber die Ambitionen hat, dort hinzukommen. Die Einstellung des Teams war uns ebenfalls sehr wichtig, da wir, wie oben angesprochen, einige Sachen ausprobieren wollen und dies nur funktionieren kann, wenn die Bereitschaft der Spieler dazu vorhanden ist.
Christian Lenz hatte mir in einer ersten Unterhaltung direkt zu den Private-Jungs geraten, da er sehr begeistert war, wie diese in ihrer ersten Saison gespielt haben. Nach ersten Gesprächen und mit der Möglichkeit durch Nino und chrissK das Lineup nochmal zu verstärken, wurde deutlich, dass dieses Lineup genau das mitbringen, was wir suchen. Dass das komplette Team in Wien lebt, wo auch ich wohne und wir unsere Firma gegründet haben, bringt natürlich noch weitere Vorteile mit sich. Wir konnten bspw. sehr schnell den Gedanken an eine Team- und Trainings-Location umsetzen und auch die Möglichkeit die ein oder andere Teambuilding-Maßnahme durchzuführen oder erste Sitzungen mit unserem Performance-Coach zu starten, wurde deutlich vereinfacht. Dort hat das Team bisher auch wie erwartet sehr gut mitgezogen und zeigt sich sehr interessiert und motiviert.

Also gab dir Christian Lenz den entscheidenden Tipp?
Das würde ich nicht unbedingt sagen. Ich habe zwei Monate lang viel Research betrieben und hatte das Private Team schon sehr früh auf dem Zettel. Es war natürlich super, dann noch mal von einem so erfahrenen Szene-Kenner eine Bestätigung zu erhalten und dadurch wurde das ganze sicher beschleunigt.

Stefan Schillhabel überzeugt nicht nur auf dem Pokertisch.

Wie werden der Performance Coach und die Analysten mit dem Team zusammenarbeiten?
Simon, unser Performance-Coach, arbeitet hauptberuflich als Personal-Trainer von Fedor Holz. Dabei geht es nicht nur um Sport, sondern vor allem auch um Ernährung, Erholung und das passende Mindset. Er erklärt sehr genau, warum gewisse Sachen wichtig sind und wie die Spieler dies mit gewissen Routinen und Hilfestellungen einfach umsetzen und in ihren Tagesablauf integrieren können, ohne ihr ganzes Leben auf den Kopf zu stellen. Ziel ist es, die Jungs so gut vorzubereiten wie möglich, damit das Team in den entscheidenden Momenten auch 100 % ihre Fähigkeiten abrufen kann.
Unser Coach Shipta und unsere beiden Analysten unterstützen so gut es geht und vor allem unseren  Captain MITSARAS bei Training und Spielvorbereitung. Dabei sind die Aufgabengebiete jedes Beteiligten sehr genau abgesteckt, sodass kein Chaos entsteht. Wir haben jemanden, der sich um die Gegneranalyse kümmert, jemanden der zusammen mit Dimi und dem Team an eigenen Taktiken und Strategien arbeitet und auch jemanden sehr erfahrenen, der sich nachträglich von außerhalb unsere Demos anschaut und Feedback gibt, Fehler benennt und Verbesserungsvorschläge macht.
Wir wollen insgesamt feste Abläufe haben und gewissen Routinen erlernen,  die Jungs so professionell, rational und effektiv arbeiten lassen wie möglich. Auch hier wird es etwas Zeit brauchen, bis wir den richtigen Weg gefunden haben. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass es langfristig sehr positive Auswirkungen haben wird.
Im Poker haben wir es ähnlich gemacht. Wir haben damals in kleineren Gruppen zusammengearbeitet und uns gegenseitig unterstützt. So sind wir an die Weltspitze gekommen. Kaum jemand hat dies komplett allein und ohne Input von außen geschafft.

Außerdem habt ihr dem Team auch eine Wohnung zur Verfügung gestellt, was bietet die Wohnung an Besonderheiten?
Die Wohnung ist darauf ausgelegt, dass man perfekt trainieren und vorbereiten kann, sich aber gleichzeitig auch wohlfühlen soll. Sie bietet mit einem großen Trainingsraum und einem großen Aufenthaltsraum mit Couch, Beamer für gemeinsame Demoanalyse, Spielkonsolen und Sportgeräten, so gut wie alles, was das Team braucht. Zusätzlich gibt es eine große Küche und ein Schlafzimmer, sodass insgesamt 5 Schlafplätze vorhanden sind und es kein Problem war dort ein 10-tägiges Bootcamp abzuhalten.

Bis 2015 studierte Schillhabel neben seiner Karriere auch noch Soziologie

Werden noch bald weitere eSport-Teams unter der No Limit Gaming Flagge zu sehen sein?
Das ist für die Zukunft geplant, ja. Anfangs geht es aber erstmal darum, dass wir uns unabhängig vom Poker-Bereich aufstellen. Dies geht nur über zahlungskräftige Partner für den eSports-Sektor. Wir haben das Ziel den Jungs mittelfristig Vollzeit-Verträge bieten zu können. Sie sollen wirklich als Vollzeit-Athleten betrachten werden und in der Lage sein, soviel Fokus wie möglich auf ihre Karrieren zu richten. Dementsprechend sind wir natürlich auf der Suche nach Sponsoren, die unser Konzept unterstützen wollen und uns auf unserem Weg langfristig begleiten möchten. Wir bauen außerdem gerade eine Infrastruktur auf, mit der es dann irgendwann unkompliziert sein wird, auch weitere Teams zu verpflichten und bestmöglich unterstützen zu können. Der Fokus liegt aber erstmal auf dem CS:GO Team und wir werden vermutlich erst expandieren, wenn wir unser Konzept gefestigt haben und sich erste Erfolge einstellen, auch wenn ich nicht 100%ig ausschließen kann, dass wir aus gewissen Gründen früher aktiv werden.

Hat das eigentlich gar nicht abgeschreckt, dass CS:GO vergleichsweise einen sehr schlechten Ruf in der Gesellschaft hat?
Dass dies Quatsch ist und dieser Ruf alles andere als berechtigt ist, zeigt ja jede Statistik, die jemals zu dem Thema veröffentlicht wurde. Das Spiel wird so aktiv geschaut und gespielt, dass sich einzelne Politiker diesem nicht mehr ewig verwehren können werden. Es gibt außerdem genug Firmen, die dies bereits erkannt haben und sehr aktiv auf CS:GO setzen. Mit Partnern, die dies anders sehen und sich nur oberflächlich und sehr altmodisch mit dem Thema auseinandersetzen, möchten wir sowieso nicht zusammenarbeiten, da dies für beide Seiten keinen Sinn ergeben würde. Dementsprechend schreckt uns dies auch nicht ab.

Wie werdet ihr diesen Wankelmut unterbinden, den du vorher selbst angekreidet hast? In dieser Szene, dass die Leute einfach alles hinschmeißen und sagen “Alles ist schlecht. Wir müssen jetzt wechseln.”? Denn in der Vergangenheit wechselte das Team doch auch regelmäßig die Spieler aus.
Wir werden das Team von unserer Seite nicht unter Druck setzen, schnellstmöglich beste Ergebnisse zu liefern. Das Team wird nicht an irgendwelchen kurzfristigen Erfolgen gemessen. Es geht anfangs darum, dass das Team an sich arbeitet, motiviert bleibt und bei allem soweit es geht, mitzieht. Unser Konzept sieht einen langfristigen Aufbau vor. Dafür ist relativ unwichtig, wie wir in der ersten Saison abschneiden. Natürlich wollen wir mittelfristig Erfolg haben und auch international angreifen, aber wir werden jetzt nicht nach einer Saison jemanden kicken, der komplett mitzieht und das Potential hat, sich wie gewünscht weiterzuentwickeln, nur um einen Spieler zu verpflichten, der uns vielleicht kurzfristig erfolgreicher macht. Das auch wir irgendwann Wechsel vornehmen müssen, kann ich natürlich trotzdem nicht ausschließen, da die Jungs in einem Alter sind, in dem es nicht einfach ist, langfristige Pläne zu machen.

Stefan Schillhabel verdiente in seiner ganzen Karriere 9,257,862 Millionen US-Dollar, dabei gelang es ihm 2017 die Super High Roller Bowl, in Las Vegas zu gewinnen. Dies war sein höchster Gewinn, die ihm um eine Summe von 2.4 Millionen US-Dollar reicher machte. Im Moment befindet er sich auf dem 85 Rank der „All Time Money List“.

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