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Tom Lemke, der Co-founder von mouz und BIG im Interview

Tom J. Lemke gelang etwas, von dem Viele träumen und das gleich Zweimal. Denn Anfang der 2000er Jahre etablierte er die Organisation mousesports. Das Kunststück wiederholte der Berliner fast 15 Jahre später mit BIG, einem der populärsten Organisation dieser Tage. Der Generalmanager für Business Developer & Partnerships bei UNIKRN gab uns die Möglichkeit ein paar Fragen zu stellen.

Hallo, Tom danke für deine Zeit. Vor Beginn der neuen CS:GO Saison konnte man beobachten, dass es einigen Organisationen nicht mehr möglich ist, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten. Dabei erwischte es nicht nur neugeschaffene Organisationen, sondern auch Namhafte wie EYES ON U oder die WiseWizards. Sollte das ein Warnzeichen sein?
Ich glaube, da muss ich etwas weiter ausholen. So sehr ich auch die rosarote Brille aufhabe, was Esport und insbesondere CS:GO angeht, so habe ich natürlich aus nächster Nähe miterlebt, wie schwierig es eigentlich ist, CS:GO bei Partnern zu platzieren. Der Michael Decker von Entropy hatte da eine sehr interessante Diskussion angeschoben, wo sich auch der eine oder andere Profi-Spieler aus Deutschland zu Wort gemeldet hatte. Fakt ist, dass es noch immer sehr schwierig ist ein CS:GO Team zu monetisieren, wenn man nur nationale Erfolge einfahren kann. Sponsoren wie Corsair Gaming oder AMD, die setzen natürlich auf Reichweite und die gibt es automatisch, sobald sich der sportliche Erfolg einstellt. Du hast bei Firma XY einen Marketing Manager sitzen, der hat ein Budget bekommen und muss es sinnvoll ausgeben. Wird er mit einem Team zusammenarbeiten, wo er eine gewisse sportliche Sicherheit hat, sich vor allem aber auf die Professionalität verlassen kann, oder splittet er sein Budget auf 8 kleine Vereine und muss dann eventuell 8 Reportings pro Monat hinterher rennen? Jeder Verein muss zwingend einen Agentur-Approach haben: Immer auf die Partner zugehen, mehr machen als vertraglich geregelt, den Partner zu einem echten Fan machen. Bei vielen Teams scheitert es auch an der Umsetzung von Kampagnen. Wenn man kaum Geld hat sich selbst zu bezahlen, geschweige denn den Ansprüchen seiner ESLM Spielern gerecht zu werden, dann besteht der gesamte Backoffice Staff nur aus Freiwilligen. Das ist auch in Ordnung. So kann man Erfahrung aufbauen, aber es macht es nicht leichter wirklich vorwärts zu kommen.
Es ist einfach noch nicht genug Geld in der Szene, damit es wirklich jeder kleine Verein schaffen kann. Ich hoffe, dass die Deutsche Esport Industrie in den nächsten Jahren weitere Schritte nach vorne macht, damit es nicht zu einem Aussterben der kleinen Traditionsvereine kommt.

Sind das evtl. Vorboten, dass wir vor einer großen Verschiebung innerhalb der Organisationsstruktur erleben? Denn es hat den Anschein, dass es mehr Organisationen gibt, als finanzielle Mittel innerhalb des deutschen Sprachraums.
Es wird immer den „Clan“ geben, in dem sich 5 Freunde zusammenfinden und einfach loszocken wollen. Dieses „Grassroots movement“ ist auch von Nöten, damit der Sport in die Breite gehen kann. Die Frage ist doch: Wie viele professionelle Teams, mit Spielern die Vollzeit in der ESLM und in der 99dmg Div1 spielen, die über einen bezahlten Staff verfügen, kann es in Deutschland geben? Da hat man BIG, die Werkteams von Alternate, Expert, Euronics und Sprout, aber was kommt dann? Diese Teams haben einfach einen massiven Vorteil und sind für Spieler, die in die Vollzeit gehen wollen, natürlich massiv attraktiv. Gutes Beispiel sind die Panthers, wo das Management mehrmals gezeigt hat, dass sie das Know-How haben, ein erfolgreiches Team zusammenzustellen. Sie haben namenhafte Sponsoren akquiriert wie Kiebel, Coolermaster oder AMD und trotzdem haben sie es nicht geschafft, ihr Team zusammenzuhalten, was ich persönlich sehr schade fand. Das ist einfach der natürliche Lauf der Dinge. Ein Schalke bedient sich bei Freiburg, ein Real Madrid bei Schalke. Ich glaube wir werden noch für eine längere Zeit mitbekommen, dass Teams aufgrund von finanziellen Problemen die Pforten schließen müssen. Ich vergleiche das immer ganz gerne mit der Start-up Erfolgsquote. Plakativ gesagt: 9 von 10 Start-ups schaffen es nicht.

Dabei bleibt ja der nicht wesentliche Unterschied, dass Fußball in einem Verbund geeint ist in der UEFA, FIFA. CS:GO ist hingegen ungezähmt und wild. Ist das vielleicht auch ein Nachteil für Organisationen, dass es so viele verschiedene Ligen gibt. Somit ist es auch schwieriger den Erfolg zu kommunizieren an bspw. eSports-Fremden Firmen. Denn es ist sicherlich einfacher zu erörtern dass man in der höchsten Spielklasse in Deutschland spielt. Als bspw. In der ESL Meisterschaft, ESEA Main, 99Liga, usw. usf. Wirkt das nicht auch verwirrend? Dass gleich zwei höchste Spielklassen in Deutschland existieren.
Ja, dem muss ich natürlich zustimmen. CS:GO, im Gegensatz zu LoL oder OW, ist der wilde Westen. Dieser Westen hat aber auch eine einzigartige, offene Turnierlandschaft hervorgebracht. Diese Vielfalt an Teams, die gibt es nur bei CS:GO. Ich glaube keiner steigt wirklich durch was alle Ligen, Cups und Turniere angeht. Auch hier werden sich schlussendlich die besten Veranstalter durchsetzen.

Direkt gefragt, wäre ein Franchise System wie in LoL oder Overwatch nicht auch die Lösung für viele Probleme in CS:GO?  
Franchise bietet den Teams eine Sicherheit und vor allem den Sponsoren. Ein gesicherter Ablauf, feste Spieltermine und so weiter und so fort. Ich würde mich jetzt nicht festlegen wollen wie ein Franchise System bei CSGO aussehen würde. Ob es gut oder schlecht ist. Ich persönlich mag das offene System von CS:GO.

Tom, dir gelang es zwei äußerst erfolgreiche Organisationen innerhalb des eSports zu erschaffen. Die Zeit, in der mousesports gegründet wurde, ist bald 20 Jahre her. Kann man die Gründung von mouz im Jahr 2002 mit der Gründung von BIG knapp 15 Jahre später überhaupt vergleichen? Kann man heute eigentlich noch eine erfolgreiche Organisation gründen, wenn man sehr begrenzte Ressourcen hat, wie bspw. Zeit und Geld?
Die Gründung von Mousesports hat rein gar nichts mehr mit dem zu tun, was wir heute erleben. Um heute eine global erfolgreiche Brand / Organisation aus dem Nichts zu erschaffen, da ist entweder wahnsinnig viel Geld im Spiel, oder es bedarf massives know-how. Dann wird eventuell etwas weniger Geld benötigt, aber ganz ohne kommt man nicht aus. Wie sieht Erfolg für einen aus? Ist es mein Ziel in der zweiten Div. zu spielen, mal einen Podiumsplatz auf der Northcon Lan zu erobern, dann ist das sicherlich mit Tüchtigkeit, Glück und etwas Geld möglich. Sobald man aber mit einem Expert oder Alternate konkurrieren möchte, dann bedarf es schon einer massiven Investition. Möchte man global mit dabei sein, dann drehen sich die Zahlen nur noch. Um der Frage nicht aus dem Weg zu gehen: Nein, ich bin der Meinung das man keine erfolgreiche Organisation gründen kann, ohne dass ein gutes Budget dahinter steckt.

Du bist auch in der Glücksspielbranche tätig. Mit deinem Unternehmen UNIKRN wart ihr bei mousesports und BIG tätig. Weder auf der Homepage von mouz findet man noch den Namen und auch BIG präsentierte erst in den vergangenen Tagen mit Betway einen neuen Wettsponsor. Ein Rückzug aus dem eSport Sponsoring?
Das Sponsoring von Mousesports ist 2016 ausgelaufen. Wir hatten uns daraufhin umgesehen und sind dann zu dem Schluss gekommen, dass wir die Anschubsfinanzierung für Berlin International Gaming machen wollen. Hat sich im Nachhinein auch als richtige Entscheidung herausgestellt. Man investiert immer in die Leute und bei Daniel Finkler und Yilmaz Ozan wussten wir, dass die es drauf haben. Der Erfolg hat sich dann schneller eingestellt, als wir es uns vorgestellt haben.
Wir werden uns definitiv nicht aus dem Esport Sponsoring zurückziehen. Mit der United Masters League, dort gibt es insgesamt $290.000, denke ich, dass wir unsere Ambitionen bereits unter Beweis gestellt haben. Rahul Sood, CEO von Unikrn, hat in seinem Medium Artikel auch bereits angekündigt, dass wir uns nach einem neuen Team umsehen, um es zu sponsern.

Neuerdings agierst du auch als Turnierorganisator. Wird man das Format „The WINTERNATIONAL“ evtl. noch in anderen Ausführungen erleben dürfen? Das heißt, das Format evtl. auch im Sommer als „The SUNternational“?
Da es keine Dreamhack Leipzig im Sommer gibt, wird das etwas schwierig. In einem anderen Interview hatte ich bereits erwähnt, dass der Big Betty Truck eine geniale Möglichkeit bietet, innerhalb von 24 Stunden überall in Deutschland eine wettkampffähige Tribüne aufzubauen. Der Truck kommt mit LED Wall und Broadcasting Studio. Die YOU, IFA oder Comiccon würden sich anbieten. Ein Stand-alone Turnier auszurichten, darüber muss ich noch mal in Ruhe nachdenken. Erst einmal möchte ich das Dreamhack Leipzig WinterNational powered by AMD gut hinter mich bringen und dann schauen wir weiter.

Was sind deine Ziele mit UNIKRN im Jahr 2019?   
2019 wird ein sehr erfolgreiches Jahr für Unikrn. Wir arbeiten hart daran unsere Produkte zu verbessern und ich bin mir sicher, dass wir noch das eine oder andere Event auf die Beine stellen werden.

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