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Pollin: „…nie hätte ich gedacht, dass es, in Österreich, dazu kommen könnte.“

Niemand verkörperte INRI.eSports besser als Stephan Pollin. Er war für viele der Fixpunkt der steirischen Organisiation. Doch diese Tatsache ist mittlerweile Geschichte. Ein neues Kapitel begann für ihn in diesem Sommer. Ein Gespräch über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und warum INRI trotzdem weiterlebt.

Von INRI zu Wooky

Lieber Stephan, neue Organisation, neues Glück? Wooky E-Sports überrascht die ganze österreichische Community. Wie kam der Kontakt zwischen dir und Wooky zustande? 
Ja, ich muss ehrlich sagen, so ganz real ist das Ganze auch für mich noch nicht. Wir stehen noch am Anfang und es liegt noch viel Arbeit vor uns. Was wir aber wirklich geschafft haben, glaube ich, ist die Esport Szene in Österreich zu überraschen. Wir sind ja selbst noch überrascht…

Es ist so, es gab vor dem Kontakt kein Wooky – noch nicht mal das Konzept für ein Wooky eSports. Zuerst war Frankii bei uns als Spieler im Clan, dann kam er plötzlich an und fragt mich ob er und Arthax vorbeikommen dürften – er hätte mir da einen Vorschlag zu machen. Ich habe beide, im Sommer, in meinem Garten empfangen und da machen sie mir dieses unmoralische Angebot. Ich war ehrlich platt, das Herz schlug bis zum Hals, den Brocken musste ich erstmal verarbeiten. Ich glaube, zwei Wochen später trafen wir uns mit dem Investor und haben das Konzept zu Wooky eSports erarbeitet.

Das neue Emblem, unter dem Pollin angreift!

Welche exakte Position nimmst du in der GesmbH ein? Wirst du dein Hobby zum Beruf machen dürfen?

Im Moment bin ich als CTO geführt – Chief Technical Officer – daran hab ich mich noch nicht gewöhnt. Ich bin in der obersten Managementebene angesiedelt und mach halt das, was ich vorher bei INRI auch gemacht hab. Team Management, Event/LAN Planung, Social Media – was man halt als Vorstand so macht – delegieren und entscheiden. Jetzt hab ich, auch wenn wir alles besprechen und gemeinsam erarbeiten, trotzdem quasi einen übergeordneten CEO in Frankii. Das ist noch komisch für mich, weil ich nicht mehr die letzte Instanz bin, bei der die Fäden zusammenlaufen. Aber ja, es sieht so aus, als würde ich mein Hobby, wobei es eher meine größte Leidenschaft ist, zum Beruf machen können. Ich arbeite zumindest hart daran mir diesen Traum zu verwirklichen und es ist wahrlich ein Traum, nie hätte ich gedacht, dass es, in Österreich, dazu kommen könnte.

War es von Anfang klar, dass mit dem Wechsel zu Wooky E-Sports, dein sehr persönliches Kapitel und Projekt INRI.eSports geschlossen wird?

Anfangs habe ich noch versucht den neuen Investor auf die dunkle Seite zu ziehen und als Sponsor für INRI an Land zu holen, aber es war dann relativ schnell klar, dass etwas Neues her musste. Irgendwo war es auch eine Rettung, wir haben jetzt schon so lange gekämpft und es war irgendwie schon eine Zeit lang die Luft raus – überhaupt Zwischendurch als ich mir eine Auszeit genommen habe – an vergangene Tage, als wir zum Beispiel auf der nur48stunden LAN jeden einzelnen Teambewerb gewonnen haben, konnten wir einfach nicht mehr anknüpfen. Die Szene hat sich gewandelt, Vereine haben jetzt etwas Geld und wir sind da etwas ins Hintertreffen geraten. Wooky eSports gibt uns die Möglichkeit nochmal richtig durchzustarten und dementsprechend bin ich, mein guter eMMi und die Community seit Wochen richtig gehyped.

The good old Days!
Copyright: INRI

Jeder der dich kennt, weiß dass INRI dein Herzensprojekt gewesen ist. Wie schwierig war es für dich INRI zu beenden?

Zuerst unvorstellbar, warum sollte ich mein, seit 2006, aufgebautes Baby einfach aufgeben? Ich habe da schon lange überlegt aber was mich dann doch dazu bewogen hat diesen Schritt zu machen, waren eigentlich zwei Punkte.

1. Es ist die Chance meinen absoluten Traum wahr zu machen und meine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Am liebsten würde ich alles andere stehen und liegen lassen und mich nur noch um Wooky eSports kümmern.

2. Ich kann meiner Community und meinen treuen und loyalen Spielern endlich die entsprechende Unterstützung geben, die sie schon lange verdienen. Ich habe ja mit dem gesamten Kern des Vereins gesprochen und die waren alle begeistert von der Idee und der Möglichkeit. Ein schönes Zitat von einem Freund war: “Es is net wichtig, dass INRI drauf steht, es is wichtig, dass INRI drin is” Und so ist es halt auch, wir sind immer noch wir. We are WE (Wooky eSports)

Einen Stich ins INRI Herz bekomme ich jetzt halt noch, wenn ich zum Beispiel alte LAN Fotos anschau, mein Trikot an der Wand ansehe oder, so wie heute, jemand einen großen INRI Logo Sticker gemacht und sich aufs Fenster geklebt hat – da wird man schon sehr wehmütig. Das wird noch lange dauern, bis ich über INRI hinweg bin. So ganz weg sind wir ja auch noch nicht – der Übergang zu Wooky passiert gerade.

Shipta geht nun für Wooky auf Fragjagd!

Hätte die involvierten Personen bei Wooky nicht auch gleich in INRI investieren können? Warum brauchte es eine neue Organisation?

Naja, es ist so, dass der Name vom Investor vorgegeben war und auch, dass es eine GesmbH werden soll. Der Investor ist seit Jahrzehnten Unternehmer und wollte halt auch dieses Projekt als Unternehmen geführt wissen. Zum Namen noch – wooky ist angelehnt an crazy, verrückt oder querdenkend/anders. Das hat sich irgendwo aus der Philosophie des Investors ergeben. Zu viel verrat ich da jetzt nicht, er würde gerne im Hintergrund agierend bleiben.

Was bleibt nach all den Jahren von INRI? Wie würdest du es in einem Satz zusammenfassen?

Viele, viele Freundschaften fürs Leben und tausende an glorreichen und Lachkrampf auslösenden Spiel-Stunden. Super Florian, da kullert eine Träne.

Kann eine E-Sportorganisation in Österreich ohne finanzielle Unterstützung nicht mehr erfolgreich sein?

Extrem schwer bis gar nicht. Da würdest du so loyale Spieler brauchen wie ich sie bei INRI, über all die Jahre, hatte. Ich glaube, die Zeiten sind wirklich vorbei. Esport hat sich eben verändert und ist nicht nur mehr ein Hobby, sondern ein Markt, ein Lebensgefühl, ein richtiger Wettbewerb. Wenn du mit den Szenegrößen wie TTW, TKA, plan-B, Warkidz und Austrian Force mithalten willst, brauchst du Budget. Viel wird da nicht benötigt, aber pro bono kriegt man halt fast keine Spieler mehr, um auch konkurrenzfähig zu bleiben.

Wie siehst du persönlich die Entwicklung in Österreich?

Generell sehr positiv, man muss sich ja nur den österreichischen Esport Herbst anschauen. Vulkan LAN, Game City, Red Bull pLANet one, eSport Summit, A1 eSports League Austria –  da geht es drunter und drüber und das ist auch gut so. Da kommt die Szene zusammen, da wird wieder an anderen Projekten gefeilt und Dinge besprochen, sich ausgetauscht. Generell finde ich, haben wir im Moment eine sehr gute Struktur aufgebaut und arbeiten mehr miteinander als gegeneinander. Das durfte ich bei The Clutch 2019 erleben – war sehr schön Teil des Teams dort zu sein. So harte Fehden, wie es sie zwischen INRI und den Infernal Chicken Hunters gegeben hat, gibt es nicht mehr. Der Banter der beispielsweise auf Twitter, aufgrund der A1 LoL Liga geführt wird, ist da eher dem Unterhaltungswert geschuldet und tut auch niemandem mehr weh.
Die finanziellen Mittel, die jetzt in die Szene eingebracht werden, helfen enorm und sind auch absolut notwendig. plan-B hat ja erst kürzlich neue starke Partnerschaften ankündigen dürfen. Das hilft nicht nur plan-B, sondern auch dem Rest der Szene, umso mehr Firmen sich darauf einlassen in Esport zu investieren, desto mehr werden dem Ruf folgen. Keiner lässt sich gerne solche Möglichkeiten durch die Finger gehen, wenn doch die Konkurrenz schon investiert hat. Das macht es argumentativ anderen Esport Organisationen einfacher – X,Y und Z haben schon investiert, das sollten SIE auch!

Gab es eigentlich bei euch auch die Überlegung kein CS:GO-Team unter Vertrag zu nehmen? FPS Spiele scheinen ja noch immer als der Sündenbock für gesellschaftliches Versagen herhalten zu müssen!

Nein, die Überlegung gab es eigentlich nicht. Wir wollen Esport in Österreich ernst nehmen und uns keine Rosinen herauspicken. Zu Esport gehören vor allem auch FPS und da wollen wir entsprechend vorne dabei sein und die ganze Palette an Spielen nutzen. Ich glaube auch, dass die Gaming Community die Rolle des Sündenbocks nur ablegen kann, wenn wir da gemeinsam auftreten und am gleichen Strang ziehen. Keine FPS zu unterstützen würde uns, in der Szene, unglaubwürdig machen.

Machen Spiele wie PUBG und CS:GO Sponsorenverhandlungen schwieriger?
Schwer zu sagen, das wird sich in sehr naher Zukunft herausstellen ob die Gespräche schwieriger waren oder nicht. Generell wollen wir einfach Top vorbereitet in die Gespräche gehen und versuchen das Thema so professionell und plausibel wie möglich darzulegen. Der Finanzier des Startkapitals beispielsweise spielt selbst PUBG also war es da überhaupt kein Thema. ¯\_(ツ)_/¯

Eine letzte Frage sei mir noch vergönnt. Wo steht der E-Sport in Österreich in fünf Jahren?

Ich glaube, wir sind auf einem großartigen Weg und freue mich auf die nächsten Jahre. Also wenn nicht was gröber schiefgeht, dann wird Esport ein etablierter Wirtschaftszweig in Österreich, der Jobs bringt und die Massen begeistert. Also wenn ich mir das Wachstum und die Entwicklungen der letzten 2 Jahre anschaue und es in dem Tempo weitergeht, dann sind wir wahrscheinlich sogar früher dort. Es braucht nur noch eine Handvoll Investoren, wie unseren bei Wooky eSports, der einfach mal macht, das Potenzial sieht und mitgeht.

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